NRW führt 2028 verpflichtende Sprachkurse für Vorschulkinder ein
Nordrhein-Westfalen plant verpflichtende Vorschul-Sprachkurse ab 2028
Nordrhein-Westfalen hat angekündigt, ab 2028 verpflichtende Vorschul-Sprachförderkurse unter dem Namen "ABC-Klassen" einzuführen. Das Programm richtet sich an Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen vor der Einschulung. Das Saarland testet bereits ab April 2026 ein ähnliches Modell und setzt standardisierte Sprachstandstests ein, um den Förderbedarf zu ermitteln. Doch es gibt Bedenken, wie sich diese neuen Systeme in die bestehenden Betreuungsstrukturen einfügen werden.
Ziel der "ABC-Klassen" ist es, gezielte Sprachförderung anzubieten, bevor Kinder in die erste Klasse kommen. In Nordrhein-Westfalen sollen einheitliche Sprachtests bei der Schulanmeldung zeigen, welche Kinder Unterstützung benötigen. Das Saarland erprobt ein zweistufiges Modell, bei dem die Förderung verpflichtend wird – abhängig von den Testergebnissen.
Kritiker warnen jedoch, dass die Pläne eine parallele Förderstruktur schaffen könnten, statt die bestehenden Systeme zu verbessern. Simone Lammert, Expertin für frühe Bildung, betont, dass die "ABC-Klassen" neben der Kita-Förderung herlaufen könnten, anstatt sie zu stärken. Die Sprachentwicklerin Jessica Schliewe unterstreicht, dass Kinder Sprache am besten in vertrauter Umgebung lernen – durch tägliche Interaktionen und Vertrauen.
Auch lokale Politiker melden Bedenken an. Viele fürchten, dass Kinder durch zusätzliche Kurse aus ihren gewohnten Kita-Gruppen genommen werden, was ihre Routinen stören und zu Stigmatisierung führen könnte. Maja Wehrmann, eine Fürsprecherin für kindliche Entwicklung, warnt, dass die Trennung von Gleichaltrigen mehr schaden als nützen könnte. Währenddessen unterstützen CDU und Grüne in Solingen zwar frühe Sprachförderung, lehnen aber die aktuelle Umsetzung ab. Sie fordern eine bessere Verzahnung mit den bestehenden Kita-Strukturen.
Ein zentrales Problem bleibt ungelöst: wie sich die "ABC-Klassen" in das bestehende Betreuungssystem einfügen sollen. Ohne klare Vorgaben tun sich Kommunen schwer mit der Planung. Lokale Verantwortliche drängen nun auf eine bessere Abstimmung zwischen Landesbehörden und Gemeinden, um Doppelstrukturen zu vermeiden.
Die "ABC-Klassen" sollen 2028 in Nordrhein-Westfalen starten, das Saarland beginnt 2026 mit der Testphase. Zwar ist das Ziel, die Sprachkompetenz vor der Schule zu stärken – doch Fragen zur praktischen Umsetzung und Integration bleiben. Bis mehr Details vorliegen, stehen Kommunen und Erzieher vor der Herausforderung, die Neuerungen umzusetzen, ohne die bewährten Betreuungsabläufe zu gefährden.






