Medienstreit eskaliert: Steingarts "Prostitutions"-Vorwurf spaltet Journalisten
Sophia KellerMedienstreit eskaliert: Steingarts "Prostitutions"-Vorwurf spaltet Journalisten
In den deutschen Medien ist eine hitzige Debatte entbrannt, nachdem der Journalist Gabor Steingart werbliche Moderatorenansagen in Podcasts als eine Form der "Prostitution" kritisiert hatte. Seine Äußerungen richteten sich gegen Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander, die Gastgeber des neuen Podcasts Machtwechsel, die dieses Werbeformat nutzen. Der Streit hat sich seitdem zugespitzt – mit Rücktritten und scharfen öffentlichen Wortgefechten.
Ausgelöst wurde der Konflikt, als Steingart, Gründer des Medienportals The Pioneer, öffentlich Medienhäuser und Journalisten für die Einbindung von Moderatorenwerbung in Podcasts angriff. Er argumentierte, diese Praxis verwische die Grenze zwischen unabhängigem Journalismus und bezahlter Promotion. Besonders kritisierte er Machtwechsel, den Podcast von Rosenfeld und Alexander, zwei renommierten Politikjournalisten.
Rosenfeld reagierte mit ihrem Rücktritt als Kolumnistin bei The Pioneer, nachdem Steingart ihre Arbeit als "Prostitution" diffamiert hatte. Alexander konterte später scharf und erklärte, Steingart könne man für kein Geld der Welt "Anstand und Stil" abkaufen.
Am Dienstag legte Steingart nach und forderte seine Kritiker auf, ihren "Empörungskult" zu äußern. Er verteidigte seine Haltung mit dem Vorwurf, Moderatorenwerbung untergrabe die redaktionelle Unabhängigkeit. Die Kontroverse kommt überraschend, da das Format in Deutschland längst etabliert ist – große Sender wie RTL+ und Seven.One Audio setzen es in erfolgreichen Formaten wie Apokalypse & Filterkaffee oder Jenke. Extreme Momente ein.
Mitten im Streit warb Steingart zudem für ein 5.000-Euro-"Lebenszeit"-Abo von The Pioneer im Rahmen einer Mitgliedschaftskampagne. Zuvor hatte er zehn Prinzipien für eine "schönere Medienwelt" skizziert, darunter den Appell zu einem "ästhetischen Journalismus" – ein Konzept, das nun vom aktuellen Eklat überschattet wird.
Der Konflikt offenbart tiefe Gräben in der Medienethik. Rosenfelds Abgang von The Pioneer zeigt erste konkrete Folgen des Streits, während Steingarts unnachgiebige Haltung die Debatte am Köcheln hält. Moderatorenwerbung, längst ein lukratives Standardformat in deutschen Medien, steht nun erneut in der Kritik – diesmal wegen ihrer Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit.






