26 April 2026, 12:16

Kölner Stadtarchiv: Wie 1,7 Millionen Dokumente in Minuten verschütt gingen

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das Gebäude, Strommasten, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt, mit Text unten.

Kölner Stadtarchiv: Wie 1,7 Millionen Dokumente in Minuten verschütt gingen

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009 bleibt eine der schwersten Kulturkatastrophen Deutschlands. Bei dem Unglück wurden 1,7 Millionen historische Dokumente vernichtet, zwei Menschen kamen ums Leben. Mehr als ein Jahrzehnt später trägt die Stelle noch immer sichtbare Narben, und die Bergungsarbeiten ziehen sich ohne absehbares Ende hin.

Die Katastrophe ereignete sich während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Linie, ein Projekt unter der Aufsicht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Obwohl die KVB keine Erfahrung mit derart großflächigen Ausgrabungen hatte, leitete sie die Arbeiten. Noch vor dem Einsturz waren kritische Stahlträger gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden. Als die Erde dann nachgab, öffnete sich unter dem Archiv ein gewaltiger Grundwasserkrater, der das Gebäude verschlang. Zwei junge Männer, die in benachbarten Häusern lebten, starben, als der Boden unter ihnen wegbrach.

Rettungskräfte durchsuchten monatelang das Trümmerfeld und bargen Fragmente von Dokumenten, die in 20 Notarchiven zur sicheren Aufbewahrung verteilt wurden. Experten schätzen, dass die Restaurierung der geretteten Bestände bis zum Jahr 2050 dauern wird. Ein Drittel des Archivguts gilt als unwiederbringlich verloren.

Die U-Bahn-Linie, die nach ihrer Fertigstellung Pendlern acht Minuten Fahrzeit ersparen soll, brauchte genau diese acht Minuten, um das Archiv zum Einsturz zu bringen. Bis 2023 war nur ein Teil der Grube verfüllt, die Stelle bleibt eine offene Wunde im Stadtbild. Rechtliche Verfahren gegen die Verantwortlichen wurden 2024 wegen Verfahrensfehlern und nachlassendem öffentlichen Interesse eingestellt.

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Seit 2011 setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen ein. Sie fordert einen würdigen Gedenken an die Katastrophe und ihre Opfer.

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs löschte in wenigen Minuten ein Jahrtausend dokumentierter Geschichte aus. Die Restaurierungsarbeiten werden sich über Jahrzehnte hinziehen, doch ein großer Teil der Sammlung bleibt für immer verloren. Die Stelle ist eine sichtbare Mahnung an die Katastrophe, während die U-Bahn-Linie, die einst den Nahverkehr verbessern sollte, nun die Last des gescheiterten Projekts mit sich trägt.

Quelle