DHL-Chef attackiert Bahn: „Beschwerden werden systematisch ignoriert“
Sophia KellerDHL-Chef attackiert Bahn: „Beschwerden werden systematisch ignoriert“
Der Vorstandsvorsitzende der DHL Group hat die Art und Weise, wie Beschwerden über die Dienstleistungen der Deutschen Bahn bearbeitet werden, scharf kritisiert. Tobias Meyer argumentierte, dass das aktuelle System die eigentlichen Ursachen für die Unzufriedenheit der Kunden nicht ausreichend aufkläre. Seine Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund, dass die Bundesnetzagentur allein im ersten Halbjahr 2025 rund 23.000 Beschwerden registrierte.
Meyer äußerte sich zudem in der Debatte um Gewichtsgrenzen für Pakete und forderte strengere Regelungen, um die Effizienz im Sektor zu steigern.
In einer Stellungnahme Anfang 2026 bezeichnete Meyer die Beschwerdestatistiken als irreführend. Er wies darauf hin, dass die Deutsche Bahn lediglich etwa fünf Prozent der gemeldeten Probleme direkt erhalte – der Großteil bleibe damit in der öffentlichen Wahrnehmung ungelöst. Diese mangelnde Transparenz, warnte er, könnte dem Ruf Deutschlands als verlässlicher Dienstleister schaden.
Fahrprobleme während des Sommers hatten bereits Kritik auf sich gezogen, doch Meyer bestätigte, dass diese später behoben worden seien. Über die kurzfristigen Rückschläge hinaus verwies er auf tiefgreifendere Herausforderungen im klassischen Briefversand. Da digitale Kommunikation das Briefaufkommen verringere, passe das Unternehmen nun Brief- und Paketrouten zusammen, um Kosten zu sparen.
Auf politischer Ebene warf Meyer der Bundesregierung vor, bei der Regulierung der Paketgewichte inkonsistent zu agieren. Zwar unterstützt er eine Senkung des aktuellen Höchstgewichts von 31,5 Kilogramm auf 20 Kilogramm, doch Konkurrenten setzen sich gegen die Änderung ein. Berichten zufolge hat die Deutsche Bahn Einfluss auf Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) genommen, um den Vorschlag zu blockieren und so ihren Marktvorteil zu wahren.
Meyer betonte, dass ohne Reformen das bestehende Beschwerdeverfahren weiterhin das öffentliche Vertrauen verzerrt. Er forderte klarere Daten und fairere Regeln, um das Vertrauen in das deutsche Bahnsystem wiederherzustellen.
Der Streit um Gewichtsgrenzen und die Beschwerdebearbeitung spiegelt die größeren Spannungen in der Branche wider. Der Widerstand der Deutschen Bahn gegen Veränderungen hält die aktuelle 31,5-Kilogramm-Regel vorerst aufrecht. Gleichzeitig strukturiert das Unternehmen seine Abläufe um, um sich an den Rückgang des Briefvolumens und die wachsende digitale Konkurrenz anzupassen.