14 January 2026, 11:40

Berliner Zille-Museum kämpft ums Überleben mit unbekannten Werken des Meisters

Ein Gemälde einer 19. Jahrhundert-Stadtansicht in Köln, Deutschland, mit Booten im Wasser, Gebäuden, Rauch und einem Himmel im Hintergrund, mit dem Text "Köln, Deutschland im 19. Jahrhundert" unten.

Berliner Zille-Museum kämpft ums Überleben mit unbekannten Werken des Meisters

Das Zille-Museum in Berlin kämpft ums Überleben – und präsentiert eine Ausstellung mit unbekannten Werken Heinrich Zilles

Das Berliner Zille-Museum kämpft um seinen Fortbestand, während es eine neue Ausstellung mit weniger bekannten Werken Heinrich Zilles zeigt. Der Künstler, berühmt für seine scharfsinnigen Darstellungen des Arbeiterlebens im Berlin der frühen 1920er-Jahre, schuf unter einem Pseudonym auch freizügige und pornografische Zeichnungen. Das Museum – das vollständig von Leihgaben abhängt – hofft nun, vor Schließung der Schau im Juli mehr Aufmerksamkeit für seine Sammlung zu gewinnen.

Heinrich Zille (1858–1929) wurde für seine schonungslosen Skizzen der Berliner Unterschicht bekannt und erhielt von den Porträtierten den Spitznamen „Pinsel-Heinrich“. Doch sein Werk ging über soziale Kommentare hinaus: Um über die Runden zu kommen, fertigte er unter falschem Namen explizite Zeichnungen an, von denen einige nun in einer diskreten Ecke des Museums zu sehen sind.

Die aktuelle Ausstellung „Heinrich Zille – Das Original: Verborgene Werke“ unterstreicht sein technisches Können und seine Vielseitigkeit. Der Kunsthistoriker Matthias Flügge vergleicht Zilles Genie sogar mit dem des Bildhauers Ernst Barlach (1870–1938). Allerdings besitzt das Museum selbst keine Originale. Stattdessen ist es auf temporäre und dauerhafte Leihgaben angewiesen, darunter Beiträge von Heinjörg Preetz-Zille, dem Urgroßneffen des Künstlers. Die größte Privatkollektion von Zilles Werken gehört Friede Springer, der Witwe des Medienmagnaten Axel Springer. Doch das Überleben des Museums hängt von öffentlicher Unterstützung ab. Die Mitarbeiter rufen Besucher auf, die Ausstellung weiterzuempfehlen – ohne mehr Aufmerksamkeit, so die Warnung, bleibe die Zukunft ungewiss.

Fälschungen belasten zudem Zilles Erbe. Bei einem jüngsten Treffen enthüllte der Sohn des verstorbenen Sammlers Edgar Mrugalla eine Liste mit über 2.000 Fälschungen – darunter auch angebliche Zille-Werke –, die über die Jahre verkauft wurden. Seine Sammlung gefälschter Stücke gilt mittlerweile als die größte ihrer Art.

Die Ausstellung im Zille-Museum läuft noch bis Juli und bietet einen seltenen Einblick in das gesamte Schaffen des Künstlers. Ohne eigenen Bestand ist die Einrichtung auf Leihgaben und öffentliches Interesse angewiesen, um weiter zu bestehen. Im Mittelpunkt steht vorerst die Würdigung von Zilles Werk – sowohl seiner gefeierten sozialen Skizzen als auch seiner weniger bekannten, provokanten Kreationen.