Wie ein Aachener Experiment die deutsche Energiewende revolutionierte
Sophia KellerWie ein Aachener Experiment die deutsche Energiewende revolutionierte
25 Jahre Erneuerbare-Energien-Gesetz: Wie ein lokales Experiment die deutsche Energiewende prägte
Am 1. April 2023 jährte sich das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zum 25. Mal. Das Gesetz, das die Energielandschaft des Landes grundlegend veränderte, entstand aus einem bescheidenen lokalen Versuch in den frühen 1990er-Jahren. Seine Wurzeln liegen in einer einzigen Stadt und einer Gruppe von Aktivisten, die erneuerbare Energien wirtschaftlich tragfähig machen wollten.
Die Idee ging vom Solarförderverein Deutschland (SFV) aus, dessen Geschäftsführer Wolf von Fabeck eine einfache, aber revolutionäre Lösung vorschlug: eine feste, kostendeckende Vergütung für jede Kilowattstunde Ökostrom, die ins Netz eingespeist wird. Die Kosten sollten dabei auf alle Stromverbraucher umgelegt werden – proportional zu ihrem Verbrauch.
Der erste Praxistest fand in Aachen statt. Am 30. September 1992 beschloss der Stadtrat das „Aachener Modell“, das die Einspeisung von bis zu 1.000 Kilowatt Solar- und Windenergie in das öffentliche Netz ermöglichte. Bis Ende 1999 förderte das Modell rund 125 kleine Dachanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 650 Kilowatt. Der erste offizielle Vertrag über die Einspeisevergütung wurde im Juni 1995 unterzeichnet.
Der Erfolg des lokalen Projekts ebnete den Weg für eine bundesweite Reform. 2000 und 2004 wurde das EEG in deutsches Recht überführt und übernahm die Kernprinzipien des Aachener Modells. Von Fabeck, oft als treibende Kraft hinter der Politik bezeichnet, sah seine Vision zur Grundlage des deutschen Ökostrom-Booms werden.
Das 25-jährige Erbe des EEG begann mit einem bescheidenen Start in Aachen. Was als lokale Initiative begann, bildet heute das Fundament eines der größten Märkte für erneuerbare Energien weltweit. Die Struktur des Gesetzes – faire Vergütung für grünen Strom, getragen von allen Verbrauchern – bleibt zentral für Deutschlands Abkehr von fossilen Brennstoffen.






