11 April 2026, 04:12

Wie 20 Frauen 1973 einen historischen Streik bei Pierburg entfachten

Eine Gruppe von Menschen mit Protestschildern und Transparenten vor einem Gebäude, mit zwei Personen im Vordergrund und einem Müllimer auf der rechten Seite.

Wie 20 Frauen 1973 einen historischen Streik bei Pierburg entfachten

Im August 1973 löste eine kleine Gruppe von Frauen im Pierburg-Werk in Neuss eine der bedeutendsten Arbeitskämpfe Deutschlands aus. Ihr Streik begann mit nur 20 Beschäftigten, die faire Löhne forderten, und endete mit landesweiten Veränderungen. Die Proteste breiteten sich rasant aus und fanden Unterstützung bei Männern, Migrantinnen und Migranten sowie bekannten Künstlern wie Joseph Beuys.

Der Streik startete am 13. August, als etwa 20 Frauen am Werkstor Flugblätter verteilten. Sie arbeiteten nach dem Tarif der "leichten Arbeitsgruppe 2", einer Entgeltgruppe für Tätigkeiten, die angeblich nur geringe körperliche Anstrengung erforderten. Ihr Spruch "Eine Mark mehr!" spiegelte die Wut über niedrige Löhne und ungerechte Behandlung wider.

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Die Belegschaft bei Pierburg bestand überwiegend aus Frauen, darunter viele Migrantinnen aus ganz Europa. Die Geschäftsführung bot zunächst eine Lohnerhöhung von 12 Pfennig an – doch die Streikenden lehnten ab. Sie drohten, notfalls zwölf Jahre weiterzumachen, um bessere Bedingungen durchzusetzen.

Als sich der Ausstand ausweitete, schlossen sich Hunderte an – Männer, Frauen, Deutsche und Migrant:innen gleichermaßen. Die Solidarität griff über Neuss hinaus: Arbeiter:innen aus anderen Städten und Künstler wie Beuys unterstützten die Bewegung. Nach zähen Verhandlungen willigten die Arbeitgeber schließlich in eine Erhöhung von 53 bis 65 Pfennig ein und strichen die Tarifgruppe "leichte Arbeitsgruppe 2" komplett.

Der Streik ging auch aus einem anderen Grund in die Geschichte ein: Er war einer der ersten Fälle, in denen sich männliche deutsche Arbeiter uneingeschränkt mit ihren Kolleginnen solidarisierten.

Die Pierburg-Aktion führte zur Abschaffung der Lohnkategorie "leichte Arbeitsgruppe 2" in ganz Deutschland. Die Beschäftigten erreichten eine spürbare Lohnerhöhung und setzten damit ein Zeichen für künftige Arbeitskämpfe. Zudem zeigte der Streik die wachsende Einheit zwischen Arbeiterinnen und Arbeitern in den industriellen Konflikten Deutschlands.

Quelle