12 February 2026, 02:26

Wasserstoffausbau in Deutschland stockt – Klimaziele und Versorgungssicherheit in Gefahr

Eine Säulendiagramm, das den Stromertrag der Bundesländer nach Brennstoffquellen im Jahr 2022 zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Dateninformationen liefert.

Wasserstoffausbau in Deutschland stockt – Klimaziele und Versorgungssicherheit in Gefahr

Deutschlands Wasserstoffausbau stockt – Industriebericht zeigt Verzögerungen

Laut einem neuen Branchenbericht kommt Deutschlands Vorstoß für den Ausbau von Wasserstoff nur schleppend voran. Die am Mittwoch auf der Energiefachmesse E-world in Essen vorgestellte Studie Gasbilanz 2025 offenbart, dass die Fortschritte hinter den Planungen zurückbleiben. Zwar werden einige Projekte vorangetrieben, viele wurden jedoch verschoben oder ganz gestrichen.

Gleichzeitig steigt der Gasverbrauch wieder an – und wirft damit Fragen zur Versorgungssicherheit und den Klimazielen auf.

Die Studie zeichnet ein gemischtes Bild der deutschen Wasserstoffpläne: Von den ursprünglich bis 2030 avisierten 11 Gigawatt (GW) Elektrolysekapazität sind nun nur noch 7,2 GW fest eingeplant. Aktuell befinden sich 22 Elektrolyseur-Projekte mit einer Gesamtleistung von 1,3 GW entweder im Bau oder haben eine finale Investitionsentscheidung erhalten.

Beim Infrastrukturausbau gibt es Fortschritte: Bis 2025 sollen rund 525 Kilometer Wasserstoff-Pipelines in Betrieb gehen. Doch hohe Strompreise, unklare regulatorische Rahmenbedingungen und fehlende langfristige Abnahmeverträge bremsen die Entwicklung weiter aus. Biomethan gewinnt als erneuerbare Alternative an Bedeutung – 2025 wurden 11,5 Terrawattstunden (TWh) ins Gasnetz eingespeist – doch Investitionen bleiben wegen bürokratischer Hürden unsicher.

Unterdessen stieg der Gasbedarf 2025 um etwa 3 Prozent auf 835 TWh. Gaskraftwerke übernehmen zunehmend eine Brückenfunktion, um Versorgungslücken bei Windflauten und geringer Solarstromerzeugung zu schließen. Zwar stoßen sie mit etwa 392 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde deutlich weniger aus als Kohlekraftwerke, doch im Vergleich zu Ländern, die ihre Kohleausstiege bereits weiter vorangetrieben haben, hinkt Deutschlands Energiesektor hinterher.

Die Herausforderung verschärft sich durch den anstehenden Wegfall von über 30 GW gesicherter Leistung, sobald die Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Flexible Ersatzkapazitäten werden dringend benötigt, um die Netzstabilität zu gewährleisten – doch die zögerliche Wasserstoff-Einführung hinterlässt Lücken im Transformationsplan.

Die Gasbilanz 2025 markiert einen kritischen Moment für die deutsche Energiewende: Bei steigendem Gasverbrauch und stockenden Wasserstoffprojekten steht das Land vor der Aufgabe, Versorgungssicherheit und Klimaschutz unter einen Hut zu bringen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Infrastruktur und Politik mit der Nachfrage Schritt halten können.