Thyssenkrupp verkauft HKM-Anteil an Salzgitter – radikale Stahlwende steht bevor
Clara KrausThyssenkrupp verkauft HKM-Anteil an Salzgitter – radikale Stahlwende steht bevor
Die Stahlsparte von Thyssenkrupp steht unter zunehmendem wirmachendruck durch schwache Marktbedingungen und hohe Kosten, die mit der klimaneutralen Produktion verbunden sind. Das Unternehmen hat nun zugestimmt, seinen Anteil an den Krupp Mannesmann (HKM)-Stahlwerken bis zum 1. Juni 2026 an Salzgitter AG zu verkaufen. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender finanzieller und wettbewerbsbedingter Herausforderungen im europäischen Stahlsektor.
Der deutsche Stahlkonzern kämpft seit Jahren mit hohen strukturellen Kosten, schwankenden Energiepreisen und schrumpfenden Gewinnmargen. Zwischen 2021 und 2026 verlor das Unternehmen Marktanteile an größere Konkurrenten wie ArcelorMittal und Tata Steel, die 2021 eine Beteiligung an Thyssenkrupps Stahlgeschäft erwarben. Die branchenweite Konsolidierung in Europa verschärfte den druck und zwang das Unternehmen, seine Strategie zu überdenken.
Der Verkauf des HKM-Anteils markiert eine deutliche Wende. Auch die Lieferverträge für Stahlbrammen zwischen Thyssenkrupp und HKM werden bis Ende 2028 endet – vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Unterdessen expandiert die Wasserstoff-Tochter Nucera über eine Partnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach Indien.
Anleger reagierten positiv auf die jüngsten Entwicklungen: Die Thyssenkrupp-Aktie stieg im vergangenen Jahr um fast 152 %. Dennoch notiert sie weiterhin etwa 12 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der nächste Finanzbericht, der am 12. Februar ansteht, wird weitere Einblicke in die Performance der Stahlsparte im ersten Quartal 2025/26 geben.
Der Verkauf des HKM-Anteils und die vorzeitige Beendigung der Brammen-Lieferverträge deuten auf einen tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess im Stahlgeschäft hin. Angesichts der weiterhin schwierigen Marktbedingungen wird die Zukunft des Unternehmens maßgeblich von Kostensenkungsmaßnahmen und neuen Vorhaben wie der Wasserstoffexpansion geprägt sein. Die anstehenden Finanzzahlen werden zusätzliche Klarheit über die aktuelle Position schaffen.