RWE flutet Tagebau Hambach – doch Kritik an Wasserverbrauch und ökologischen Risiken wächst
Ella KrausRWE flutet Tagebau Hambach – doch Kritik an Wasserverbrauch und ökologischen Risiken wächst
Großprojekt zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen nimmt Fahrt auf – doch es gibt Kritik
Ein ambitioniertes Vorhaben zur Flutung stillgelegter Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen schreitet voran: Geplant ist die Schaffung eines neuen Sees bei Elsdorf. Federführend ist der Energiekonzern RWE, der eine 45 Kilometer lange Pipeline baut, um Rheinwasser in den Tagebau Hambach zu leiten. Lokale Vertreter und Umweltschützer äußern jedoch Bedenken hinsichtlich des Wasserverbrauchs und der langfristigen Folgen.
Mit den Bauarbeiten für die Pipeline wurde kürzlich begonnen. Rund 10.000 Rohre – jedes bis zu 2,2 Meter breit – werden verlegt, um den Rhein mit dem Tagebau Hambach zu verbinden. RWE verfügt bereits über Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipelinebau, doch zwei weitere Bewilligungen stehen noch aus: eine für die Rheinwasserentnahme und eine für die Einleitung in den Tagebau. Laut Planungsunterlagen vom März 2026 müssen diese noch erteilt werden, bevor das Projekt vollumfänglich umgesetzt werden kann.
Die Flutung des Tagebaus Hambach soll 2030 beginnen, gefolgt von Garzweiler und Inden im Jahr 2036. Der Prozess wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, wobei auch danach noch über Jahrzehnte Rheinwasser zugeführt werden muss. RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete die Pipeline als Symbol für "Verlässlichkeit und Zukunftschancen" und betonte, sie sei ein zentraler Schritt zur Umwandlung ehemaliger Abbaugebiete in Räume für Tourismus, Natur und Freizeit.
Doch nicht alle teilen diesen Optimismus. Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative "Bürirer für Bürir" warnte, RWE könnte sich bei auftretenden Schwierigkeiten komplett aus dem Projekt zurückziehen. Umweltverbände wie der BUND und "Alle Dörfer bleiben" zeigen sich ebenfalls skeptisch und verweisen auf Risiken wie Wasserverschmutzung und langfristige ökologische Schäden.
Hinzu kommt, dass Microsoft in der Region ein Hyperscale-Rechenzentrum errichtet, das enorme Mengen Wasser zur Kühlung benötigen wird. Dies verschärft die Sorge vor möglichen Wasserknappheiten und erhöht den Druck in einer ohnehin komplexen Situation.
Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller blickt hingegen zuversichtlich in die Zukunft. Er erwartet, dass der künftige "Elsdorfer See" der Stadt nach Fertigstellung mehr Sichtbarkeit und wirtschaftliche Impulse bringen wird.
Der Pipelinebau markiert einen wichtigen Schritt bei der Umgestaltung ehemaliger Tagebauflächen in Erholungsräume. Doch mit noch ausstehenden Genehmigungen, ungelösten Umweltfragen und konkurrierenden Wasseransprüchen neuer Industrien bleibt der langfristige Erfolg des Projekts ungewiss. Die Flutung soll 2030 starten – die vollständige Fertigstellung wird jedoch noch Jahrzehnte dauern.






