09 February 2026, 22:25

RTL Live in der Kritik: Antisemitismus-Vorwürfe nach Raab-Show mit Gil Ofarim

Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Schlagzeile 'Weitpreubliche Zeitung', die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung zeigt.

RTL Live in der Kritik: Antisemitismus-Vorwürfe nach Raab-Show mit Gil Ofarim

Eine umstrittene Folge der Stefan-Raab-Show hat für Empörung gesorgt, nachdem der jüdische Musiker Gil Ofarim mit antisemitischen Klischees konfrontiert wurde. Die Ausstrahlung, Teil der Bemühungen von RTL Live, sinkende Einschaltquoten aufzufrischen, stieß bei Zuschauern und Aktivisten gleichermaßen auf Kritik. Gleichzeitig sind Ofarims eigene, später als falsch entlarvte Vorwürfe wegen Antisemitismus wieder in den Fokus gerückt – und verschärfen die Debatte weiter.

2021 hatte Ofarim einem Hotelmitarbeiter in Leipzig antisemitische Diskriminierung vorgeworfen und behauptet, er sei aufgefordert worden, seinen Davidstern unter seiner Kleidung zu verstecken. Der Fall wurde 2023 eingestellt, nachdem Ofarim eingestanden hatte, die Geschichte erfunden zu haben. Ein Gericht stellte das Verfahren gegen ihn ein – unter der Auflage, eine Geldstrafe zu zahlen und dem Angestellten eine Entschädigung zu leisten.

Der Skandal begleitete ihn bis ins Jahr 2025, als er bei Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! auftrat. Die Mitkandidatin Ariel bezeichnete ihn im Live-TV als "Lügner" und "Kriminellen", was die öffentliche Empörung neu entfachte. Trotz der Kontroverse bescherte die Show RTL Live Rekordquoten.

Die Entscheidung von RTL Live, Stefan Raab 2024 zurückzuholen, sollte das schwächelnde lineare Fernsehpublikum des Senders reaktivieren. Doch die jüngste Sonderfolge mit Ofarim schlug nach hinten los. Der Sender hat die Sendung inzwischen von seiner Streaming-Plattform genommen, bestreitet jedoch jede antisemitische Absicht. Kritiker werfen dem Sender vor, der Vorfall spiegle ein grundlegendes Problem in den deutschen Medien wider, wo Jüdinnen und Juden oft als Kuriositäten statt als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft behandelt würden.

In den sozialen Medien hat die Kontroverse antisemitische Verschwörungstheorien befeuert. Zwar muss sich RTL Live kurzfristig mit Kritik auseinandersetzen, doch Experten gehen davon aus, dass der Sender langfristig keinen bleibenden Reputationsschaden erleiden wird.

Die Folgen der Sendung zwingen RTL Live nun, sich hastig von der Affäre zu distanzieren. Ofarims erfundene Vorwürfe und der Umgang der Show mit antisemitischen Klischees haben die Debatte über die Darstellung von Jüdinnen und Juden in den deutschen Medien weiter angeheizt. Zwar profitiert der Sender weiterhin von den hohen Quoten von Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!, doch die Diskussion über seine redaktionellen Entscheidungen bleibt ungelöst.