Rottenburgs Faschingstradition: Warum Saublodere die Zuschauer erschrecken
Sophia KellerStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Rottenburgs Faschingstradition: Warum Saublodere die Zuschauer erschrecken
In den Faschingsfeiern von Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) hält sich eine laute Tradition, die alljährlich die Umzugszuschauer aufschrecken lässt. Einheimische nutzen aufgeblasene Tierblasen, die sogenannten Saublodere, als Lärminstrument während der Paraden. Wenn diese Blasen mit Schwung auf den Boden geschlagen werden, erzeugen sie ein scharfes Knallgeräusch, das Jahr für Jahr die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zieht.
Die Saublodere-Tradition basiert traditionell auf Schweineblasen, die jährlich von Metzgern bezogen werden. Bevor sie zum Einsatz kommen, werden die Blasen entleert, in Lake eingeweicht und sorgfältig auf Beschädigungen überprüft. Nur die robustesten Exemplare werden ausgewählt – die meisten werden heute mit Druckluft aufgeblasen, um ihre Haltbarkeit zu erhöhen.
Jede Blase wird an einen Hagenschwanz gebunden – entweder die Geschlechtsteile eines geschlachteten Stiers oder den Schwanz einer Kuh. Die Schweineblase selbst trägt dabei eine symbolische Bedeutung: Im Faschingsbrauchtum steht sie für Eitelkeit und Maßlosigkeit. Üblicherweise hält ein Saublodere etwa zwei bis drei Umzüge durch, bevor er ersetzt werden muss.
In letzter Zeit sind einige Zünfte dazu übergegangen, stattdessen Kuhblasen zu verwenden. Diese sind größer und widerstandsfähiger und halten länger als Schweineblasen. Zwar gibt es keine offiziellen Aufzeichnungen darüber, wie viele Gruppen den Wechsel bereits vollzogen haben, doch der Trend scheint sich zu verstärken.
Der Umstieg auf Kuhblasen ist für die Faschingszünfte vor allem eine praktische Entscheidung. Größer und langlebiger verlängern sie die Nutzungsdauer der Saublodere, während die Tradition lebendig bleibt. Das markante Knallen der Blasen bleibt jedenfalls ein prägendes Merkmal der Rottenburger Festlichkeiten.