02 February 2026, 20:34

Pharmagroßhandel Noweda warnt vor finanzieller Schieflage durch neue Apothekengesetze

Eine Apotheke mit Glaswänden und -türen an einer Straßenecke, mit Plakaten an den Wänden und einer Straße im Vordergrund.

Pharmagroßhandel Noweda warnt vor finanzieller Schieflage durch neue Apothekengesetze

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat kürzlich den Noweda-Standort in Essen besucht, eines der größten Arzneimittel-Großlager Europas. Während des Besuchs informierte er sich über die Abläufe in dem Logistikzentrum, das täglich rund 1.000 Apotheken beliefert. Im Mittelpunkt der Gespräche standen aktuelle Herausforderungen der Pharmabranche, insbesondere die finanziellen Belastungen durch jüngste regulatorische Änderungen.

Bei dem Termin analysierten Minister Laumann, Dr. Michael Kuck sowie Udo Harneit, Vertriebsleiter bei Noweda, die Auswirkungen des Apothekenbetriebs- und Versorgungsgesetzes (ApoVWG) auf Großhändler und Apotheken. Dr. Kuck kritisierte den Gesetzentwurf scharf, da dieser keine fairen finanziellen Rahmenbedingungen und angemessene Gebührenanpassungen vorsehe. Zudem betonte er, dass schrumpfende Margen bei festen Erstattungssätzen und Lieferkettenstörungen die Gewinne stark belasteten – Noweda verzeichnete für 2025 einen Rückgang von 12 Prozent.

Einig war man sich darin, dass die geplante verhandlungsbasierte Lösung für die feste Apothekengebühr (Apothekenfixum) ein zentrales Hindernis darstellt. Laumann schlug vor, im Sozialgesetzbuch V (SGB V) einen selbst ausgehandelten Versorgungszuschlag als zusätzliche Vergütungsoption zu verankern, während das bestehende System als Auffanglösung erhalten bleibe. Sowohl der Minister als auch Dr. Kuck lehnten das Modell einer "Light-Apotheke" ab und unterstrichen die unverzichtbare Rolle vollwertiger Apotheken in der lokalen Gesundheitsversorgung.

Thema waren auch die erweiterten Dienstleistungen von Apotheken, etwa Impfungen, Diagnostik und die Versorgung mit Hilfsmitteln. Diese Angebote, so die Einschätzung, kämen den Patientinnen und Patienten zugute und stärkten die Position der Vor-Ort-Apotheken. Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche lag auf den anstehenden Verhandlungen mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband).

Der Austausch machte deutlich, unter welchem finanziellen Druck Pharmagroßhändler und Apotheken aufgrund der jüngsten Regulierungsmaßnahmen stehen. Laumanns Vorschlag, einen verhandelbaren Versorgungszuschlag im SGB V zu verankern, zielt darauf ab, einige dieser Probleme zu entschärfen. Die Branche fordert unterdessen weiterhin fairere finanzielle Rahmenbedingungen, um die essenzielle Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern.