MIT-Chefin Steingrüber zerpflückt Bürgergeld als "Schritt zum Grundeinkommen"
Sophia KellerMIT-Chefin Steingrüber zerpflückt Bürgergeld als "Schritt zum Grundeinkommen"
Gerlinde Steingrüber, Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), hat die neue Bürgergeld-Regelung der Bundesregierung scharf kritisiert. Sie bezeichnete die Reform als Schritt in Richtung eines bedingungslosen Grundeinkommens und warnte vor den negativen Folgen. Die MIT, die größte wirtschaftsnahe Vereinigung mit Parteibindung in Deutschland, vertritt 25.000 Mitglieder und setzt sich für eine soziale Marktwirtschaft mit mehr wirtschaftlicher Pragmatik ein.
Steingrüber verurteilte den Kurs der Ampelkoalition als verantwortungslos. Ihrer Ansicht nach stellt das Bürgergeld mit seinen hohen Vermögensfreibeträgen und dem sechsmonatigen Sanktionenmoratorium einen grundlegenden Wandel in der Sozialpolitik dar. Die Regelung drohe die Behörden zu überlasten, was zu Verzögerungen bei den Auszahlungen und wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung führen könnte.
Zudem warnte sie, dass das Bürgergeld Anreize für Empfänger mindere, schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Dies werde die ohnehin bestehende Fachkräftelücke weiter vertiefen. Aktuell bleiben laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rund 1,9 Millionen Stellen unbesetzt.
Fast die Hälfte aller familiengeführten Unternehmen sieht im Fachkräftemangel bereits jetzt – neben den steigenden Energiekosten – das größte Hindernis für Investitionen. Die Kritik der MIT spiegelt damit breite Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Regelung wider.
Das Bürgergeld stößt bei Wirtschaftsvertretern auf massive Vorbehalte. Die Gefahr, dass es die Verwaltung überlastet und Arbeitsanreize schwächt, könnte den Fachkräftemangel verschärfen. Die langfristigen Folgen für Beschäftigung und öffentliche Dienstleistungen bleiben ein zentraler Streitpunkt der Debatte.
