18 February 2026, 08:18

Milo Raus fiktiver "Prozess gegen Deutschland" spaltet Hamburgs Kulturszene

Eine Zeichnung eines Gerichtssaals mit Menschen auf St├╝hlen und Stehpl├Ątzen, einem Podium mit Mikrofon auf der rechten Seite, Fenstern auf der linken Seite und Text unten.

Milo Raus fiktiver "Prozess gegen Deutschland" spaltet Hamburgs Kulturszene

Umstrittenes Theaterprozess in Hamburg: Milo Rau inszeniert fiktiven "Prozess gegen Deutschland"

In Hamburg hat ein umstrittenes theatralisches Gerichtsverfahren stattgefunden – das erste Mal, dass der Schweizer Regisseur Milo Rau eine seiner fiktiven Prozessinszenierungen nach Deutschland brachte. Unter dem Titel "Prozess gegen Deutschland" wurde über drei Tage debattiert, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Die Produktion löste heftige Reaktionen aus: Einige Teilnehmer sagten kurzfristig ab, nachdem ihnen klar wurde, dass sie mit Vertretern der extremen Rechten auf einer Bühne stehen würden.

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Die Veranstaltung stand unter der Leitung von Herta Däubler-Gmelin, der ehemaligen Bundesjustizministerin. Rau, bekannt dafür, Theater mit realen juristischen und gesellschaftlichen Debatten zu verbinden, strukturierte die Abfolge wie einen echten Prozess. In früheren Werken wie "Die letzten Tage der Ceaușescus", "Die Moskauer Prozesse" oder "Das Kongo-Tribunal" setzte er auf reale Opfer und Experten statt auf Schauspieler.

Diesmal stand die politische Zukunft der AfD im Mittelpunkt. Eine siebenköpfige Jury, bestehend aus Befürwortern und Kritikern eines möglichen Verbots, kam zu dem Schluss, dass die Idee einer Prüfung unterzogen werden sollte. Doch bereits vor Beginn eskalierten die Spannungen: Mehrere Teilnehmer zogen sich abrupt zurück, da sie sich weigerten, gemeinsam mit Rechtsextremen aufzutreten.

Raus Ansatz ist es seit Langem, Theater als Mittel zu nutzen, um schwierige Fragen zu stellen. In "Prozess gegen Deutschland" zwang er Publikum und Beteiligte, sich direkt mit den juristischen und ethischen Herausforderungen auseinanderzusetzen, die der Status der AfD aufwirft.

Die Hamburger Inszenierung endete mit der Empfehlung, ein mögliches AfD-Verbot zu prüfen – eine offizielle Entscheidung wurde jedoch nicht getroffen. Die Absagen einiger Teilnehmer unterstrichen die tiefen Gräben, die das Ereignis offenlegte. Raus theatralischer Prozess, zwar fiktiv in der Form, erzwang eine reale Konfrontation mit den politischen und rechtlichen Dilemmata Deutschlands.