Millardenprojekt THTR-300: Rückbau bis 2030 – doch wer zahlt die Rechnung?
Clara KrausMillardenprojekt THTR-300: Rückbau bis 2030 – doch wer zahlt die Rechnung?
Der Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, soll bis 2030 vollständig zurückgebaut sein. Die ursprünglich für die Erzeugung von 300 Megawatt Strom ausgelegte Anlage wurde nach wiederholten technischen Problemen 1989 abgeschaltet. Seither belaufen sich die Kosten für den Rückbau auf mehrere hundert Millionen Euro – die größtenteils von den Steuerzahlern getragen werden.
Der THTR-300 war nur 423 Tage in Volllast in Betrieb, bevor er am 1. September 1989 endgültig stillgelegt wurde. In dieser Zeit verzeichnete die Anlage 125 meldepflichtige Zwischenfälle, darunter gebrochene Haltebolzen in der Heißgasleitung – ein Defekt, der letztlich zur dauerhaften Abschaltung führte. Seitdem befindet sich der Reaktor im sogenannten "sicheren Einschluss", ein Zustand, der voraussichtlich bis 2027 andauern wird.
Der Bau der Anlage kostete 2,045 Milliarden Euro, die fast vollständig aus Steuergeldern finanziert wurden. Nach der Stilllegung beliefen sich die Rückbaukosten auf etwa 441 Millionen Euro. Davon übernahm der Bund 133 Millionen Euro, während das Land Nordrhein-Westfalen 152 Millionen Euro beisteuerte.
Zum Erbe des Reaktors gehören 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Kugeln, die derzeit im Zwischenlager Ahaus lagern. Eine endgültige Lösung für ihre Entsorgung steht jedoch noch aus. Unterdessen ist die Betreibergesellschaft, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), in die vorläufige Insolvenzverwaltung gegangen.
Der Rückbau des THTR-300 soll bis 2030 abgeschlossen sein – Jahrzehnte nach dem Ende seines problematischen Betriebs. Da die Kosten weitgehend aus öffentlichen Mitteln gedeckt werden und der Atommüll weiterhin auf eine Endlagerung wartet, wirken die finanziellen und ökologischen Folgen des Projekts nach. Die Insolvenz des Betreibers bringt zusätzliche Unsicherheit für die künftige Bewirtschaftung des Standorts mit sich.






