LIONTTVs dramatischer Fall: Vom YouTube-Star zum Hassopfer und zurück
Lotta WagnerLIONTTVs dramatischer Fall: Vom YouTube-Star zum Hassopfer und zurück
Timo "LIONTTV", besser bekannt als Liont, war einst einer der strahlendsten Stars auf YouTube. Bis 2014 hatten seine Comedy-Videos und die viel beachtete Beziehung zur ebenfalls erfolgreichen Creatorin Dagi Bee ihm über eine Million Abonnenten eingebracht. Doch auf seinen rasanten Aufstieg folgte ein ebenso dramatischer Fall – einer, der sein Leben und seine Karriere grundlegend veränderte.
Sein Durchbruch gelang Liont 2015 mit seinem Debütalbum Löwenkind, das bis auf Platz 2 der offiziellen deutschen Charts kletterte. Der Erfolg löste jedoch heftige Gegenreaktionen in der Rap-Szene aus. Der Rapper Gio veröffentlichte den Diss-Track Kein Rapper, in dem er Lionts musikalische Glaubwürdigkeit verspottete. Andere, darunter HandOfBlood, schlossen sich der Kritik an und verwandelten die anfängliche professionelle Skepsis in einen offenen Feldzug gegen ihn.
Die Online-Hetze eskalierte schnell. Fans überhäuften Liont mit Beleidigungen, schickten ihm Todesdrohungen und trieben ihn in die Isolation. In späteren Interviews beschrieb er diese Zeit als vernichtend und gestand, sich nach dem Höhepunkt seiner Karriere gefangen gefühlt zu haben. Der unerbittliche Druck führte zu Alkoholabhängigkeit und schweren psychischen Krisen, die ihn zwangen, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.
Mit der Zeit änderte sich das Verhältnis zwischen YouTubern und dem deutschen Rap. Die anfängliche Feindseligkeit – wie etwa Capital Bras Konflikte mit Creators – wich Kooperationen, als Künstler das wirtschaftliche Potenzial von YouTube durch Vlogs, Challenges und Markenkooperationen erkannten. Spätestens 2018 verwischten Hits wie Tilidin und der digitale Schub durch die Pandemie die Grenzen zwischen beiden Welten weiter. Selbst Gio und HandOfBlood, die einst eine zentrale Rolle in Lionts Leidensweg spielten, entschuldigten sich öffentlich für ihre Beteiligung an der Hetzkampagne.
Lionts Geschichte – inklusive Aufstieg, Fall und seiner Beziehung zu Dagi Bee – stand im Mittelpunkt einer Dokumentation aus dem Jahr 2021. Heute zeigt sein YouTube-Kanal eine Mischung aus neuer Musik und offenen Gesprächen über seine Vergangenheit. Die Inhalte markieren einen Bruch mit seiner früheren Persona und deuten auf eine langsamere, aber bewusste Rückkehr ins Rampenlicht hin.
Lionts Erlebnisse verdeutlichen die unberechenbare Schnittmenge von Online-Ruhm und brancheninterner Skepsis. Sein Album-Erfolg machte ihn einst zum Zielscheib der Kritik, doch dieselbe digitale Landschaft eröffnete ihm später Türen zur Versöhnung und Neuorientierung. Zwar sieht seine Karriere heute anders aus, doch seine Bereitschaft, sich mit seinen Kämpfen auseinanderzusetzen, signalisiert einen Wandel – nicht nur in seinen Inhalten, sondern auch darin, wie das Publikum heute mit Creators umgeht, die öffentliche Abstürze durchlebt haben.






