29 June 2026, 18:27

Klagenfurter Literaturfest zwischen Prekariat und prekären Preisen

Frontal gegen alles

Klagenfurter Literaturfest zwischen Prekariat und prekären Preisen

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt setzten auf mutige Themen und scharfe Kritik

Wirtschaftliche Sorgen prägten die Diskussionen bei den diesjährigen Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, wo die Jury in ihren Kommentaren immer wieder auf finanzielle Nöte verwies. Gleichzeitig feierte das Festival herausragende literarische Werke und zeichnete vielversprechende neue Stimmen mit bedeutenden Preisen aus.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“, das mit einer provokanten Szene aufwartete: Gott selbst stand als Angeklagter vor Gericht. Der Richter erhob schwere Vorwürfe gegen ihn – doch er entging der Strafe, indem er schlicht die Wahrheit sagte.

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Slata Roschal hingegen las einen Text, der das Thema Prekariat nur am Rande streifte. Stattdessen richtete sie den Blick kritisch auf die Literaturbranche selbst, entlarvte schlecht bezahlte Stipendien und die mageren Einnahmen, mit denen Autor:innen oft auskommen müssen. Nach ihrem Auftritt verkündete sie, die Bühne sofort zu verlassen – eine Diskussion mit der Jury lehnte sie ab.

Wiederkehrende Motive von „Flecken“ oder „Spuren“ in vielen Texten unterstrichen subtil das Thema des prekären Lebens. Unterdessen gewann Kinga Tóth den KELAG-Preis für ihre schonungslose Schilderung der alltäglichen Demütigungen einer „Ostblock-Mädchen“.

Den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis sicherte sich Schaette für „Was wir tragen“. Ihre preisgekrönte Erzählung begleitet zwei übergewichtige Schulmädchen und die lebenslange Gewalt, der sie ausgesetzt sind. Die diesjährige Jury, die erstmals ausschließlich aus sieben Frauen bestand, würdigte die Kraft ihrer Erzählweise in einem Umfeld, das von finanziellen und sozialen Zwängen geprägt ist.

Das Festival zeigte eindrücklich, wie eng Kunst und wirtschaftliches Überleben miteinander verwoben sind. Schaettes Doppelsieg und Tóths Auszeichnung unterstreichen den Fokus der Jury auf ungeschönte, kompromisslose Literatur. Die Veranstaltung hinterlässt Spuren – nicht nur in den Texten, in denen „Flecken“ als Metapher für Prekarität immer wieder auftauchen, sondern auch in den Debatten, in denen Geld und Existenzängste allgegenwärtig waren.

Quelle