19 April 2026, 12:15

Karenztage-Debatte entzweit Politik, Gewerkschaften und Arbeitgeber in Deutschland

Ein hellgelbes Plakat mit einem weißen Rand zeigt eine fette schwarze Schrift, die "Arbeitgeber spart auf Kosten der Gesellschaft" lautet, und Bilder einer vielfältigen Gruppe von Menschen, die den Betrachter anblicken.

Karenztage-Debatte entzweit Politik, Gewerkschaften und Arbeitgeber in Deutschland

Pläne zur Wiedereinführung von Karenztagen lösen in Deutschland Debatte aus

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Ein Vorstoß, die sogenannten Karenztage – Tage ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – wieder einzuführen, sorgt in Deutschland für kontroverse Diskussionen. Die Idee, die der FDP-Politiker Carl-Julius Cronenberg für Anfang 2025 ins Spiel gebracht hat, stößt bei Gesundheitsfachleuten, Gewerkschaften und Arbeitnehmenden auf scharfe Kritik. Aktuelle Studien und politische Stellungnahmen unterstreichen die Bedenken hinsichtlich der möglichen Folgen für Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen.

Auslöser der Debatte war Cronenbergs Vorschlag, bis zu drei unbezahlte Krankheitstage pro Jahr einzuführen. Sein Ansatz folgte einer Studie des ZEW – Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2024, die einen Zusammenhang zwischen voller Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und einem Anstieg kurzfristiger Fehlzeiten herstellte. Kritiker hingegen argumentieren, dass Kürzungen bei den Leistungen das Problem eher verschärfen als lösen würden.

TK-Chef Jens Baas warnte, dass eine Reduzierung des Krankengeldes Beschäftigte dazu bringen könnte, notwendige Arztbesuche hinauszuzögern – mit der Folge längerer und häufigerer Ausfallzeiten. Seine Bedenken decken sich mit den Ergebnissen der TK-Studie #whatsnext, bei der zwei Drittel der Befragten eine Senkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ablehnten.

In Nordrhein-Westfalen positionierte sich Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in einer Landtagsdebatte klar gegen den Vorschlag. Er betonte, ein solcher Schritt würde den Arbeitnehmerschutz aushöhlen. Das Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales setzt stattdessen auf präventive Maßnahmen wie gesundheitsfördernde Arbeitsplätze und eine unterstützende Führungskultur.

Die Personalexpertin Magdalena Rogl teilte diese Einschätzung und kritisierte die einseitige Fixierung auf die Lohnfortzahlung. Sie verwies auf die tieferliegenden Ursachen von Fehlzeiten, die oft in schlechten Arbeitsbedingungen und geringem Vertrauen begründet lägen. Die TK-Studie zeigte zudem, dass Beschäftigte besonders Wert auf einfühlsame Vorgesetzte legen, die ihre gesundheitlichen Belange ernst nehmen.

Statt Leistungen zu kürzen, setzen viele Unternehmen mittlerweile auf bessere Arbeitsumfelder und eine stärkere Unternehmenskultur. Sie sind überzeugt, dass Vertrauen und Wohlbefinden Fehlzeiten wirksamer reduzieren als finanzielle Sanktionen.

Rechtlich fehlt dem Vorhaben derzeit die Grundlage, da Unternehmen die Regeln zur Lohnfortzahlung nicht einseitig ändern können, ohne dass der Gesetzgeber tätig wird. Vorerst bleiben Betriebe und Politiker bei präventiven Ansätzen wie verbesserten Arbeitsbedingungen und Führungsqualifizierungen. Doch die Debatte bleibt offen – angesichts anhaltender politischer und wirtschaftlicher Spannungen.

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