Europas Landwirtschaft kämpft um ihre Zukunft – drohen Weizen-Ernteausfälle und globale Abhängigkeit?
Lotta WagnerTopmanager fürchtet wirtschaftlichen Graben zum USA - Europas Landwirtschaft kämpft um ihre Zukunft – drohen Weizen-Ernteausfälle und globale Abhängigkeit?
Europas landwirtschaftliche Zukunft steht auf dem Spiel: Regulatorische Verzögerungen gefährden die Wettbewerbsfähigkeit
Laut Matthias Berninger, dem Chef-Lobbyisten von Bayer, hängt die landwirtschaftliche Zukunft Europas am seidenen Faden. Er warnt, dass ohne schnellere Zulassungen neuer Agrartechnologien der Kontinent erhebliche Produktionsrückgänge riskiert – insbesondere bei Weizen – mit gravierenden Folgen auch für Afrika.
Berninger betonte zwar Europas Stärken in der agrarbiotechnologischen Forschung, doch die hohen regulatorischen Hürden könnten die Innovation ersticken. Bleiben die Vorschriften für Genome Editing zu streng, drohten neue Technologien wirtschaftlich unattraktiv zu werden – und damit die gesamte europäische Landwirtschaft zu untergraben, so seine Argumentation.
Die Debatte um geneditierte Lebensmittel habe sich zwar von erbittertem Widerstand hin zu einer sachlicheren Diskussion gewandelt, räumte Berninger ein. Dennoch ist bisher kein gentechnisch veränderter Weizen in der EU zugelassen. Zwar sind 98 gentechnisch veränderte Sorten – vor allem Soja, Mais und Raps – als Tierfutter importierbar, doch die Reformen für neue genomische Techniken (NGT-1-Pflanzen) harren noch der Umsetzung. Die endgültige Zustimmung des EU-Parlaments wird frühestens für Januar 2026 erwartet, die Umsetzung dürfte erst 2028 erfolgen.
Berninger warnte zudem vor weiteren wirtschaftlichen Risiken: Ein Bruch der transatlantischen Beziehungen würde Europas globale Position schwächen, da die gemeinsame Stärke mit den USA nach wie vor entscheidend sei. Um nicht zum Spielball politischer Spannungen zu werden, müsse Europa seine Stärken ausspielen und gleichzeitig seine Schwächen offener angehen.
Die eigenen Herausforderungen Bayers unterstreichen die Dringlichkeit. Seit der Übernahme von Monsanto 2018 sieht sich der Konzern mit Milliardenklagen in den USA wegen des Unkrautvernichters Glyphosat konfrontiert. Zwar haben jüngste juristische Erfolge den Aktienkurs steigen lassen, doch der Fall zeigt, wie teuer regulatorische und rechtliche Auseinandersetzungen in der Agrartechnologie sein können.
Die Zeit drängt für Europas Landwirtschaft. Ohne schnellere Zulassungen klimaresistenter Sorten könnte die Weizenproduktion langfristige Schäden erleiden – mit Auswirkungen auf Europa und Nahrungsmittelknappheit in Afrika. Die anstehenden EU-Reformen werden entscheiden, ob der Kontinent seine agrarische Spitzenposition halten kann – oder weiter zurückfällt.