18 February 2026, 10:32

Eil-Überweisungen explodieren: Warum Patienten und Ärzte das System ausreizen

Ein detaillierter alter Stadtplan von Würzburg, Deutschland, mit Straßen, Gebäuden, Sehenswürdigkeiten und einer roten Linie, die hindurchführt, sowie Texten, die Informationen zur Bevölkerung, Straßen und Sehenswürdigkeiten liefern.

Eil-Überweisungen explodieren: Warum Patienten und Ärzte das System ausreizen

Steiler Anstieg von Eil-Überweisungen zu Fachärzten löst Kritik am deutschen Gesundheitssystem aus

Die Zahl der beschleunigten Facharzttermine ist seit 2019 von 1,2 Millionen auf über 4,5 Millionen pro Jahr explodiert – ein Anstieg, der Fragen aufwirft: Sind diese Überweisungen immer medizinisch gerechtfertigt oder werden sie durch finanzielle Anreize und Patientendruck vorangetrieben?

Auslöser für die Entwicklung war das 2019 eingeführte Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das eigentlich Wartezeiten für Patienten verkürzen sollte. Doch ein Bericht des Bundesrechnungshofs kommt zu einem ernüchternden Fazit: Trotz höherer Kosten haben sich die Wartezeiten verschlechtert. Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigen, dass Überweisungen mit Dringlichkeitsstufen (Stufe 3 und 4) 2022 mit fünf Millionen ihren Höhepunkt erreichten, bevor sie im vergangenen Jahr leicht auf 4,5 Millionen zurückgingen.

Hausärzte berichten von zunehmenden Konflikten mit Patienten, die selbst bei fehlender medizinischer Notwendigkeit auf schnelle Überweisungen bestehen. Viele Ärzte geben zu, aus Angst vor Beschwerden oder Patientenschwund nachzugeben. Allein in Nordrhein-Westfalen haben über 200 Hausärzte Fälle gemeldet, in denen Fachärzte unberechtigte Eilüberweisungen einforderten. Bundesweit waren rund 750 Hausärzte von ähnlichen Forderungen betroffen.

Auch einige Fachärzte nutzen das System aus. Eine Minderheit räumt ein, Dringlichkeitscodes oder hausarztvermittelte Überweisungen zu beantragen, um die eigenen Einnahmen zu steigern. Der Spitzenverband der Fachärzte Deutschlands (SpiFa) verteidigt die Praxis und argumentiert, Überweisungen seien rechtmäßig, solange sie medizinisch begründet seien. Allerdings müssen Hausärzte gesetzlich nachweisbare Gründe für die Dringlichkeit angeben – ein Umgehen der Wartezeiten ohne berechtigten Anlass ist verboten.

Die Mehrheit der Hausärzte sieht zwar den Nutzen des Systems für echte Notfälle, kritisiert aber den zusätzlichen Arbeitsaufwand und die finanzielle Belastung. Nun fordern der Bundesrechnungshof und der GK-Spitzenverband, die geltenden Regeln komplett abzuschaffen.

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Laut offiziellen Erkenntnissen hat der Anstieg der Eilüberweisungen die Wartezeiten nicht verkürzt. Angesichts von Fehlanreizen und überzogenen Patientenerwartungen drängen Aufsichtsbehörden nun auf eine Reform. Eine Neuregelung müsste jedoch abwägen: Wie lässt sich eine schnelle Versorgung in echten Notfällen sicherstellen, ohne das System zu überlasten?