Düsseldorfer Start-up verwandelt CO₂ in klimaneutrale Baustoffe und revolutioniert die Zementindustrie
Sophia KellerDüsseldorfer Start-up verwandelt CO₂ in klimaneutrale Baustoffe und revolutioniert die Zementindustrie
Ein Start-up aus Düsseldorf geht eine der größten Klimaherausforderungen der Bauindustrie an. Co2 hat ein Verfahren entwickelt, um CO₂ in zementähnliche Baustoffe mit negativer CO₂-Bilanz umzuwandeln. Die Technologie könnte helfen, die Emissionen einer Branche zu senken, die für 8 % des globalen CO₂-Ausstoßes verantwortlich ist.
Da traditionelle Alternativen wie Flugasche und Hüttensand knapper werden, kommt die Lösung des Unternehmens zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Steigende CO₂-Preise werden zudem die Produktionskosten von Zement in den kommenden zehn Jahren deutlich in die Höhe treiben.
Das Verfahren von Co2 kombiniert CO₂ mit natürlichen Mineralien, um zusätzliche zementartige Materialien (SCMs) herzustellen. Diese reduzieren nicht nur den CO₂-Fußabdruck von Zement, sondern verbessern auch dessen Festigkeit und Haltbarkeit. Die Technologie ist als "Drop-in-Lösung" konzipiert – sie lässt sich direkt in bestehende Produktionslinien integrieren, ohne dass größere Umbauten nötig sind.
Das Start-up hat nun 6,5 Millionen Euro an Seed-Finanzierung eingesammelt, um von Laborprototypen zur vollindustriellen Nutzung überzugehen. Zu den Investoren zählen der High-Tech Gründerfonds (HTGF), die NRW.Bank sowie ClimateTech-Business-Angels, ergänzt durch öffentliche Förderung aus dem Programm "Bundesförderung für effiziente Industrie und Klimaschutz (BIK)".
Bis zum zweiten Quartal 2026 plant das Unternehmen die Inbetriebnahme einer Demonstrationsanlage mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen Material pro Jahr. Ab 2027 wird es mit Industriepartnern zusammenarbeiten, um erstmals Anlagen im industriellen Maßstab zu errichten. Dr.-Ing. Andreas Bremen, CEO von Co2, betonte, dass die Finanzierung den Übergang von der Laborphase zur kontinuierlichen Großproduktion ermöglichen werde.
Anna Stetter, Investment Managerin beim HTGF, wies darauf hin, dass die Lösung ein wachsendes Versorgungsproblem bei klassischen Zementersatzstoffen angeht. Da Kohlekraftwerke stillgelegt und die Stahlproduktion umgestellt wird, werden Materialien wie Flugasche und Hüttensand immer schwerer verfügbar – und teurer.
Die Finanzspritze ermöglicht es Co2, die Technologie in einer Phase auszubauen, in der die Zementindustrie mit steigenden Kosten und strengeren Emissionsvorgaben konfrontiert ist. Die Demonstrationsanlage 2026 markiert den ersten Schritt in Richtung kommerzieller Produktion. Bei Erfolg könnte das Verfahren eine klimafreundliche Alternative für eine Branche bieten, die unter großem Druck steht, ihre Umweltbelastung zu verringern.