13 February 2026, 04:42

Düsseldorf wagt digitales Experiment: Geheime Wahlen per Software

Ein Blatt Papier mit einer Zeichnung von zwei Frauen und einem Mann, Farboptionen oben und der Text "The Devonshire, or Most Approved Method of Securing Votes".

Düsseldorf wagt digitales Experiment: Geheime Wahlen per Software

Der Düsseldorfer Stadtrat bereitet die Einführung digitaler Abstimmungen für seine Sitzungen vor – inklusive geheimer Wahlen. Das vorgesehene System OpenSlides wird bereits auf Bundesparteitagen und kleineren politischen Veranstaltungen genutzt. Doch der Schritt löst eine Debatte über das Vertrauen in Software für politische Entscheidungen aus.

Die Pläne des Rates stützen sich auf ein Rechtsgutachten, das die Vereinbarkeit digitaler Abstimmungen mit den geltenden Vorschriften bestätigt. OpenSlides, eine Plattform zur Verwaltung von Rednerlisten und Wahlen, legt besonderen Wert auf Anonymität – Nachzählungen könnten Manipulationen demnach nicht aufdecken. Emanuel Schütze, einer der Gründer der Plattform, argumentiert, dass eine vollständige Überprüfbarkeit geheimer Digitalwahlen das Risiko berge, die Identität der Wähler preiszugeben.

Deutschland setzte zwischen 1999 und 2009 elektronische Wahlgeräte ein, bis das Bundesverfassungsgericht sie wegen mangelnder öffentlicher Nachprüfbarkeit verbot. Seither haben andere Länder digitale Systeme mit unterschiedlichem Erfolg eingeführt. Estland führte 2005 als erstes Land landesweite Online-Wahlen ein und setzt auf kryptografische Methoden, um die Geheimhaltung zu gewährleisten. Die USA nutzen elektronische Wahlmaschinen mit Papier-Backups, wobei Bundesstaaten wie Georgia nach der Wahl 2020 unter verstärkter Kritik standen. Indiens seit 2004 eingesetzte Wahlcomputer geben mittlerweile gedruckte Stimmzettel für Kontrollen aus. Brasilien setzt seit 1996 vollständig auf digitale Systeme mit biometrischen Checks, während Schweizer Kantone sichere Apps wie jene der SwissPost für Volksabstimmungen testen.

Trotz dieser internationalen Beispiele lehnt die Düsseldorfer Linksfraktion die Pläne ab. Ihr Fraktionsvorsitzender Chris Demmer besteht darauf, dass Stift, Papier und Wahlurnen bei geheimen Abstimmungen weiterhin verwendet werden sollten. Seine Gruppe weigert sich, Software bei Entscheidungen zu vertrauen, die die öffentliche Politik beeinflussen.

Der Wechsel des Rates zu OpenSlides spiegelt einen größeren Trend zur Digitalisierung politischer Prozesse wider. Dennoch bleiben Bedenken hinsichtlich Transparenz und Sicherheit – besonders bei geheimen Wahlen. Die endgültige Entscheidung wird zeigen, ob Düsseldorf internationalen Vorbildern folgt oder an traditionellen Abstimmungsmethoden festhält.