Dortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach umstrittenem Polizeieinsatz
Sophia KellerDortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach umstrittenem Polizeieinsatz
In Dortmund formiert sich ein breites Bündnis, das die Stadt auffordert, Sidy und Lassana Dramé, deren Bruder bei einem umstrittenen Polizeieinsatz getötet wurde, eine langfristige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu gewähren. Die Brüder leben seit zwei Jahren in der Stadt, um die juristische Aufarbeitung des Todes ihres Bruders Mouhamed zu begleiten – doch ihre Aufenthaltsgenehmigungen sind inzwischen abgelaufen.
Der Vorstoß erfolgt nach einem Gerichtsurteil, das fünf Beamte im Zusammenhang mit der Schießerei von 2022 freisprach. Diese Entscheidung löste Kritik an der Fallbearbeitung und der Eskalation aus, die zum Tod des 16-Jährigen führte.
Das Verfahren begann mit Anklagen gegen fünf Polizisten wegen ihres Einsatzes am 8. August 2022 in Dortmunds Nordstadt. Nach 31 Verhandlungstagen wurden alle freigesprochen, da das Gericht zu dem Schluss kam, dass der Einsatz tödlicher Gewalt notwendig war, um zu verhindern, dass Mouhamed Dramé sich selbst verletzte. Allerdings kritisierten die Richter den Einsatzleiter, weil dieser widerrechtlich den Einsatz von Pfefferspray angeordnet hatte – eine Maßnahme, die die Situation weiter zuspitzte. Dramé, der sich in einer akuten psychischen Krise befand, hatte mit einem Messer in der Hand regungslos dagestanden, als die Beamten eingriffen und damit eine Kette von Ereignissen auslösten, die in seinem Tod endeten.
Sidy, 39, ein gelernter Schneider, und Lassana, 26, sind seit dem Vorfall in Dortmund geblieben, um das juristische Verfahren zu unterstützen. Ihre Aufenthaltsgenehmigungen sind mittlerweile abgelaufen, sodass sie in einer unsicheren Lage sind. Sidy engagiert sich ehrenamtlich in einem lokalen Gemeinschaftszentrum, erhielt jedoch keine Arbeitserlaubnis, während Lassana zwar Jobangebote von Künstlern aus der Stadt vorliegen, diese aber ohne Genehmigung nicht annehmen darf.
In einem offenen Brief, unterzeichnet von Politikern, Juristen und Gemeindemitgliedern, wird gefordert, den Brüdern "langfristige Sicherheit" in Dortmund zu gewähren – inklusive Arbeitsrecht. Die Migrationsanwältin Claire Deery argumentiert, dass ihre Aufenthaltsgenehmigungen aufgrund des anhängigen Berufungsverfahrens verlängert werden müssten und dass die Stadt die Befugnis habe, Arbeitserlaubnisse auszustellen. Sowohl der Stadtkämmerer Jörg Stüdemann als auch die Bezirksbürgermeisterin der Nordstadt, Hannah Rosenbaum, haben ihre Unterstützung für das Anliegen der Brüder signalisiert. Die Stadt prüft nun, ob in diesem Ausnahmefall erstmals eine Arbeitserlaubnis erteilt werden kann.
Die Entscheidung der Stadt wird darüber bestimmen, ob Sidy und Lassana Dramé in Dortmund bleiben und legal arbeiten dürfen. Ihr Fall hängt sowohl von den noch nicht abgeschlossenen juristischen Verfahren als auch vom Ermessen der lokalen Behörden ab, Ausnahmen zu gewähren.
Bei einer Genehmigung könnten sie in der Stadt bleiben, in der sie seit zwei Jahren leben, während sie weiterhin um Gerechtigkeit für den Tod ihres Bruders kämpfen.