Deutschlands Rentensystem vor dem Kollaps: Warum immer mehr vorzeitig in den Ruhestand fliehen
Ella KrausDeutschlands Rentensystem vor dem Kollaps: Warum immer mehr vorzeitig in den Ruhestand fliehen
Deutschlands Rentensystem steht unter wachsendem Druck, da immer mehr Beschäftigte vorzeitig in den Ruhestand gehen und die Bevölkerung altert. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission unter Leitung des früheren Arbeitsagentur-Chefs Frank-Jürgen Weise und der Rentenexpertin Constanze Janda arbeitet derzeit an Reformen, um das System bis Mitte 2026 zu stabilisieren. Dem Gremium gehören Politiker, Wissenschaftler und weitere Fachleute an, die sich mit Fragen zu Renteneintrittsalter, Beitragshöhe und der allgemeinen Absicherung der Altersvorsorge befassen.
Das aktuelle Umlageverfahren gerät zunehmend in Schwierigkeiten, weil die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen, während gleichzeitig weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt nachrücken. Bis 2035 könnte das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern auf nur noch 2,4 zu 1 sinken. Diese Entwicklung birgt die Gefahr, dass die Rentenleistungen schrumpfen und die Beiträge für die Erwerbstätigen steigen.
2024 schieden über die Hälfte der fast eine Million Neurentner vor Erreichen der regulären Altersgrenze aus dem Berufsleben aus. Die beliebteste Variante für den vorzeitigen Ruhestand war der Bezug mit 45 Beitragsjahren – fast 29 Prozent der neuen Rentner nutzten diese Option. Eine weitere Möglichkeit, die 35 Beitragsjahre voraussetzt, wurde von über 225.000 Personen gewählt – hier wird die Rente jedoch für jeden Monat des vorzeitigen Austritts um 0,3 Prozent gekürzt. Hannelore B., eine Krankenschwester mit 37 Berufsjahren, ging mit 63 wegen gesundheitlicher Probleme in Rente und erhält seitdem lebenslang rund 180 Euro weniger pro Monat.
Die reguläre Altersgrenze soll bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre steigen. Um längeres Arbeiten attraktiver zu machen, gilt seit 2026 eine neue Regelung: Wer über das Renteneintrittsalter hinaus erwerbstätig bleibt, darf bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Die durchschnittliche Bruttorente lag 2024 bei 1.154 Euro, wobei Abzüge für Steuern und Krankenversicherung das Nettoeinkommen weiter schmälern.
Bisherige Reformen wie das Rentenpaket 2025, das Betriebsrentenstärkungsgesetz oder Änderungen bei der privaten Altersvorsorge sollten das System bereits stärken. Doch bis Januar 2026 hat die Kommission noch keine neuen Maßnahmen vorgeschlagen.
Die Empfehlungen der Expertenrunde werden die künftige Rentenpolitik prägen – von der Altersgrenze über die Beitragssätze bis hin zur Höhe der Leistungen. Ohne Kurskorrekturen droht dem System durch das sinkende Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern weitere Belastung. Die nächsten Schritte der Regierung werden entscheiden, wie die Renten in den kommenden Jahrzehnten finanziert und verteilt werden.