Caren Jess' "Die Katze Eleonore" – ein surrealer Schrei gegen Unterdrückung
Sophia KellerCaren Jess' "Die Katze Eleonore" – ein surrealer Schrei gegen Unterdrückung
Caren Jess' neuestes Werk
Die Inszenierung entfaltet sich in drei Szenenbildern, die Surrealismus mit scharfer Gesellschaftskritik verbinden. In "Die Katze Eleonore" entflieht eine Frau den Zwängen der menschlichen Gesellschaft, indem sie sich in eine Katze verwandelt – ein Stück, das 2023 in Dresden uraufgeführt wurde und sowohl den Dramatiker- als auch den Publikumspreis gewann. Jess greift dabei auf persönliche Geschichte zurück und verwebt Erinnerungen an ihre Großmutter Erdmuth, die die NS-Zeit überlebte und ein enzyklopädisches Wissen über Vogelgesang besaß.
Das zweite Segment begleitet eine Kolibri-Influencerin, deren Leben nach einer fehlgeschlagenen Sterilisation mit Hirnschäden aus den Fugen gerät. Die Szene unterstreicht die übergeordnete Kritik des Stücks am Biologismus und den gewaltsamen Folgen erzwungener Anpassung. Tiere tauchen durchgehend in Zuständen des Kampfes auf: ein Polizeihund, der zum Schäferhund umfunktioniert wird, ein Käfigvogel, ein sterilisierter Kolibri – jedes ein Symbol für unterschiedliche Formen der Kontrolle.
Der letzte Akt erzählt von einem Zilpzalp, der einen Kanarienvogel aus seinem Käfig befreit, doch die Handlung nimmt eine unerwartet traurige Wendung. Die Themen des Stücks gehen über individuelles Leid hinaus und zielen auf Sozialdarwinismus, Kolonialismus und die Mythen von Stärke, die unterdrückerische Systeme stützen. Kathrin Froschs popart-inspirierte Kostüme und Bühnenbilder verleihen der Produktion eine mitreißende, zeitgenössische Schärfe.
"Bookpink New Arrivals" verbindet persönliche Reflexion mit weitreichender Gesellschaftskritik. Durch seine tierischen Allegorien und die eindringliche Inszenierung legt das Stück die Mechanismen struktureller Gewalt offen. Die Aufführung am Deutschen Theater ist ein weiteres mutiges Statement von Jess, deren Werk weiterhin provoziert und nachhallt.






