BP beschleunigt Umstrukturierung trotz steigender Ölpreise und Lieferketten-Krise
Clara KrausBP beschleunigt Umstrukturierung trotz steigender Ölpreise und Lieferketten-Krise
BP treibt seine umfangreiche Umstrukturierung voran, während die Ölpreise steigen und die Belastungen in den Lieferketten zunehmen. Das Unternehmen hat seine Sparziele erhöht und einen Desinvestitionsplan im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar bis 2027 angekündigt. Gleichzeitig sehen sich die globalen Ölmärkte durch Blockaden in der Straße von Hormus mit Störungen konfrontiert, die den Preis für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel treiben.
Parallel dazu hat die US-Regierung die Schifffahrtsvorschriften gelockert, um die angespannten Lieferketten zu entlasten. Eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act ermöglicht es nun ausländischen Schiffen, Waren zwischen US-Häfen zu transportieren – eine vorübergehende Erleichterung für logistische Verzögerungen.
BP hat seine Umstrukturierungsbemühungen seit Anfang 2025 intensiviert. Das Unternehmen strebt nun an, die strukturellen Kosten bis 2027 um 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar zu senken – eine Anhebung der bisherigen Ziele. Von den geplanten Desinvestitionen in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar wurden bereits über 11 Milliarden umgesetzt, darunter der Verkauf der Raffinerie in Gelsenkirchen. Die Anlage, die jährlich 12 Millionen Tonnen verarbeitet und rund 1.800 Beschäftigte zählt, übernimmt die Klesch Group.
Der Verkauf stößt bei Analysten auf positive Resonanz. Die HSBC stufte BP von "Reduzieren" auf "Halten" hoch und erhöhte das Kursziel, da sich das Unternehmen von potenziellen Belastungen in Höhe von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit der Raffinerie befreien könnte. Dennoch ist BP seit Anfang 2025 rund 18 Prozent an Marktwert eingebüßt – von 95 auf 78 Milliarden US-Dollar (Stand März 2026). Anleger bleiben vorsichtig, angesichts sinkender Ölpreise, der Konkurrenz durch erneuerbare Energien, strengerer europäischer Vorschriften für fossile Brennstoffe und Zweifeln an BPs verzögertem Übergang zur Klimaneutralität.
Auch operationell gibt es Herausforderungen: Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der BP-Raffinerie in Whiting, Indiana, wurden nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgeschlossen. Die Unternehmensführung erwartet jedoch keine größeren Produktionsausfälle. Größere Instabilität herrscht indes auf dem Ölmarkt, wo Blockaden in der Straße von Hormus fast 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggastransporte lahmlegen und die Preise in die Höhe treiben.
BPs beschleunigte Umstrukturierung erfolgt vor dem Hintergrund steigender Ölpreise, Skepsis der Anleger und betrieblicher Hürden. Mit den Desinvestitionen und Kostensenkungen will das Unternehmen seine Finanzen stabilisieren, während die US-Ausnahmegenehmigung für Schifffahrtsregeln kurzfristig Engpässe in den Lieferketten lindert. Die globalen Ölmärkte bleiben jedoch unter Druck durch anhaltende Störungen in zentralen Transportrouten.






