Bahn-Chaos in NRW: Warum Verspätungen und Bauarbeiten kein Ende nehmen
Lotta WagnerBahn-Chaos in NRW: Warum Verspätungen und Bauarbeiten kein Ende nehmen
Die Behauptungen der Deutschen Bahn, wonach Infrastrukturprobleme die Hauptursache für Verspätungen seien, stehen zunehmend in der Kritik. Der Bahnexperte Christian Böttger hält die Erklärungen des Unternehmens für unvollständig. Unterdessen sorgen anhaltende Bauarbeiten und Managementmängel weiterhin für erhebliche Störungen im Schienenverkehr in Nordrhein-Westfalen (NRW) – der Region mit den größten Problemen im deutschen Bahnnetz.
Auf der Strecke Köln–Hagen kommt es derzeit zu Verspätungen, weil die Gleise am Bahnhof Wuppertal-Barmen instand gesetzt werden. Dies ist nur eines von vielen Hindernissen in NRW, wo die Deutsche Bahn (DB) seit Februar 2024 keines ihrer acht geplanten Korridor-Upgrades abgeschlossen hat. Stand März 2026 sind Projekte wie die Strecke Hagen–Wuppertal–Köln (Bauarbeiten bis Juli 2026) und die Verbindung Hamm–Herford (geplant für Anfang 2026) noch immer nicht fertiggestellt. Weitere Baumaßnahmen, etwa auf der Teilstrecke Troisdorf–Unkel, sollen im Juli 2026 beginnen.
Der Bundesrechnungshof hat die Netzpolitik der DB scharf kritisiert und auf mangelhaftes Management sowie fehlende staatliche Steuerung hingewiesen. Fachleute betonen, dass das Schienennetz trotz steigender Nachfrage nicht ausgebaut wurde, was zu Überlastung und Pünktlichkeitsproblemen führt. Einige schlagen vor, Regionalverbindungen zu reduzieren, um die Belastung zu verringern – ein Vorschlag, den die Bahn jedoch ablehnt.
Ein Mangel an Prüfern bremst die Fortschritte zusätzlich aus. Weil nicht genug Personal verfügbar ist, um wiedereröffnete Strecken freizugeben, ziehen sich Verspätungen selbst nach abgeschlossenen Reparaturen hin. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer bezeichnete das Bahnnetz seines Bundeslandes als das "schlechteste Deutschlands" und unterstrich damit das Ausmaß der Krise.
Die Deutsche Bahn hat sich verpflichtet, in NRW zehn Korridore zu modernisieren; acht weitere Projekte sind in den kommenden Jahren geplant. Doch da seit 2024 kein einziges Vorhaben abgeschlossen wurde und die Störungen anhalten, bleibt für Fahrgäste die Unsicherheit bestehen. Die Kombination aus Sanierungsstau, Personalmangel und Managementproblemen lässt befürchten, dass sich die Verspätungen weiter häufen werden.






