Apothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr lokale Apotheken schließen müssen
Lotta WagnerApothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr lokale Apotheken schließen müssen
Apotheken in Deutschland in der Krise – Hundertschließungen allein 2023
Lokale Apotheken in Deutschland kämpfen mit einer immer tieferen Krise: Allein im Jahr 2023 mussten Hundert ihren Betrieb einstellen. Steigende Kosten, schmale Gewinnspannen und die Konkurrenz durch Versandapotheken treiben viele an den Rand des Ruins. In Bielefeld traf sich Bürgermeisterin Dr. Christiana Bauer kürzlich mit Apothekeninhabern, um dringend notwendige Reformen zum Schutz der Branche zu erörtern.
Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), schilderte bei dem Gespräch mit Bürgermeisterin Bauer die wirtschaftlichen Nöte der lokalen Apotheken. Er betonte, dass mittlerweile ein Drittel aller Apotheken in Deutschland von der Schließung bedroht sei – verursacht durch stagnierende Vergütungen und explodierende Betriebskosten. Besonders deutlich wird der Niedergang im Bielefelder Stadtteil Schildesche: Während es dort 2012 noch vier Apotheken gab, ist heute nur noch eine übrig.
Der Reformentwurf der aktuellen Koalitionsregierung hat die Apotheker enttäuscht, da er gebührenseitige Anpassungen auf unbestimmte Zeit verschiebt. Noch problematischer ist, dass der Vorschlag keine rechtliche Absicherung für feste Arzneimittelpreise vorsieht – eine Maßnahme, die Verbraucherkosten stabilisiert und das solidarische Gesundheitssystem stützt. Die Apotheker warnen: Ohne diesen Schutz könnte der unfaire Wettbewerb durch Online-Apotheken, die oft keine vollständige pharmazeutische Betreuung bieten, die flächendeckende Versorgung weiter aushöhlen.
Bürgermeisterin Bauer, ausgebildete Juristin, reagierte mit dem Versprechen, sich auf Bundes- und Landesebene für strengere Schutzmaßnahmen einzusetzen. Sie regte an, ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wieder einzuführen, falls diese Dienstleister nicht dieselben Standards wie stationäre Apotheken erfüllen. Zudem kündigte Bauer an, den Fachkräftemangel in der Branche anzugehen und Unterstützung über den Deutschen Städtetag zu organisieren.
Kritik löst jedoch eine weitere geplante Änderung im Reformentwurf aus: Die Pflicht zur körperlichen Anwesenheit von Apothekern könnte fallen. Gegner argumentieren, dass dies die Qualität der Patientenversorgung mindern und die ohnehin schon belastete Branche zusätzlich schwächen würde.
Das Treffen in Bielefeld unterstrich die Dringlichkeit politischer Kurskorrekturen, um weitere Apotheken-Schließungen zu verhindern. Ohne stärkere rechtliche Preissicherungen und verbesserte Finanzierung wird der Rückgang lokaler Versorgungsangebote voraussichtlich anhalten. Die Initiative von Bürgermeisterin Bauer auf verschiedenen Regierungsebenen könnte entscheidend sein, um die Zukunft der Vor-Ort-Apotheken zu sichern.






