Anna Netrebkos triumphale Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Proteste aus
Ella KrausAnna Netrebkos triumphale Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Proteste aus
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden feierte diese Woche eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere. Die Sopranistin Anna Netrebko stand als Amelia in Verdis Oper im Mittelpunkt – ein vielbeachteter Auftritt, der zugleich ihre Rückkehr an das Haus im Schatten anhaltender Kontroversen markierte. Während drinnen das Publikum ihre Darstellung mit stehenden Ovationen würdigte, kam es draußen zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Opernbesuchern.
Die fast dreistündige Aufführung verband Verdis zeitloses musikalisches Erbe mit modernen Themen. Regisseur Rafael R. Villalobos integrierte Elemente der queeren Ballroom-Kultur sowie Anspielungen auf die AIDS-Krise in zentrale Szenen. Die künstlerischen Entscheidungen sorgten für Gesprächsstoff, doch im Fokus des Abends blieb Netrebkos Rückkehr auf die Bühne.
Rund 50 Protestierende hatten sich vor der Vorstellung vor dem Opernhaus versammelt. Mit ukrainischen Fahnen skandierten sie Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Kundgebung erinnerte an kleinere Demonstrationen während Netrebkos Nabucco-Aufführungen im März 2026, als ausverkaufte Häuser im Inneren mit Kritik von außen kontrastierten.
Netrebkos Verbindungen zur russischen Führungsschicht befeuern seit Jahren die Debatte. Besonders ihre Feier zum 50. Geburtstag 2021 im Moskauer Kreml – kurz vor Russlands Angriff auf die Ukraine – hatte für neuen Zündstoff gesorgt. Trotz der Vorwürfe besitzt sie weiterhin die doppelte Staatsbürgerschaft Russlands und Österreichs und unterhält einen Wohnsitz in Berlin. Im Theater selbst herrschte indes Feststimmung: Das Publikum belohnte Orchester und Ensemble mit lang anhaltendem Applaus, Netrebko erhielt dabei besondere Anerkennung.
Die Premiere unterstrich den Graben zwischen Netrebkos künstlerischer Rezeption und der politischen Kritik. Während die Demonstranten ihre angeblichen Kreml-Verbindungen anprangerten, erlebte das Opernhaus einen weiteren ausverkauften Abend mit begeistertem Publikum. Die Diskussion über ihre Auftritte in Deutschland zeigt keine Anzeichen einer Beruhigung.






